Publikationen

- Jahreskarte 2007

Auf dem abgebildeten Gemälde mit dem Titel "Handel" ist die männliche Gestalt des Handels mit der Flügelhaube Merkurs als Attribut zu sehen. Der Engel trägt das Merkur-Wappen (Cuduceus). Der Kaufmannsgehilfe steckt auf dem Globus mit dem Zirkel Entfernungen ab, während ein Buchhalter mit Feder und Rechnungsbogen vor einem verschnürten Paket sitzt mit Herkunftsort Hongkong und Bestimmungsort KKG Viersen. Davor steht die von Prof. Peter Behrens entworfene "lachende Kaffeekanne". Der im Hintergrund zu sehende Frachtsegler trägt die Fahne des zur Entstehungszeit des Gemäldes bereits untergegangenen Deutschen Kaiserreichs (1871-1918) mit den Farben schwarzweiß- rot. Diese Farben blieben in der Weimarer Republik Bestandteil der offiziellen Handelsflagge. Die Pflanzenmotive sammelte Schiestl angeblich "auf seinen sonntäglichen einsamen Wanderungen zur Schwalm und Nette mit ihren weiten Wassern, dem wogenden Schilf und den malerischen Weiden" (Deilmann, Haus Clee und seine Besitzer, 1933, S. 2). Hier dürfte es sich um Gänseblümchen und Gänsefingerkraut handeln. Als Hinweis auf den Handelszweig des Aufraggebers ist der stilisierte blühende Kaffeestrauch zu sehen. Das Gemälde "Handel" stellt als Allegorie, die im Beiwerk das Geschäftsleben "vorindustriell" in Szene setzt - Frachtgüter werden manuell fortbewegt, statt eines Dampfers erscheint ein Segelschiff -, eine Verschleierung der Wirklichkeit der modernern kapitalistischen Handelswelt dar. (Busso Diekamp, Volkstum und Religion, Matthäus Schiestl und seine zeitgenössische Rezeption, 1990)



Jahreskarte 2007 als

    MATTHÄUS SCHIESTL
  1869 am 27. März in Gnigl bei Salzburg geboren.
  1873 zog die Familie nach Würzburg
    Zehn Jahre lang arbeitete er als Lehrling in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters.
  1894 wurde er an der Kunstakademie München als Schüler von W. v. Diez aufgenommen.
  1895 unterbrach er sein Studium, um in Innsbruck für eine Glasmalereianstalt zu zeichnen.
    Anschließend setze er sein Studium fort beim Akademiedirektor L. v. Löfftz.
  1912 wurde ihm der Titel eines Professors verliehen.
  1935 beteiligte er sich zum letzten Mal an der Großen Kunstausstellung in München.
  1939 am 30. Januar in München gestorben.